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Umjubelte Premiere: "Frauensache" in Aachen
Fast sieben Jahre ist es her, dass das ausschließlich weiblich besetzte Stück FRAUENSACHE von Lutz Hübner und Sarah Nemitz am Staatstheater Karlsruhe uraufgeführt wurde - und sein Thema, die hochemotionalisiert geführte Abtreibungsdebatte, ist aktuell wie nie. Für die Spielserie im Grenzlandtheater Aachen haben Hübner/Nemitz den Text zusätzlich aktualisiert - "der Vormarsch der AfD [...] und insgesamt des reaktionären Gedankenguts machte das wohl unumgänglich", schreibt Andrea Zuleger, Aachener Zeitung, in ihrer Rezension der Premiere am 31.1.2026.

Foto: Dominik Fröls/Grenzlandtheater
In FRAUENSACHE sucht die feministisch eingestellte Frauenärztin Beate (Eva Brunner) nach einer Nachfolge für ihre Praxis. Die junge Ärztin Hannah (Tina Schorcht) scheint ihr zunächst die perfekte Kandidatin zu sein: selbstbestimmt, engagiert, offen. Bis die alleinerziehende Elke Wöhler (Rebecca Hirschler) ihre zweite Schwangerschaft abbrechen will und Hannah sich als radikale Abtreibungsgegnerin entpuppt. Gemeinsam mit der Gemeinderätin Gudrun Hegenau (Rebecca Madita Hundt) und einer rechten Lebensschutz-Initiative tritt Hannah eine Hasskampagne gegen Beate los - und die spaltet schon bald die ganze Kleinstadt.
Regisseur Martin Schulze ist mit seiner Inszenierung von FRAUENSACHE am Grenzlandtheater Aachen ein hochpolitisierender, mitreißender und immersiver Abend gelungen. Besonders bei der gespielten Podiumsdiskussion, so Andrea Zuleger in der Aachener Zeitung vom 2.2., schien das Publikum vollkommen vergessen zu haben, dass es sich in einem Theater befand: Es gab Applaus, spontane Buhrufe und heftige Reaktionen "auf die jahrzehntealten Vorwürfe gegen Frauen und auf die verdrehten, aalglatten Argumente der Rechten". Am Ende, berichtet Zuleger, habe dann auch noch unabgesprochen eine ältere Dame die Bühne betreten und ihre Dankbarkeit für die Inszenierung ausgedrückt, "dafür, dass all das ausgesprochen werden dürfe".
Ein Abend also, der eindrucksvoll zeigt, was Theater kann - "Ein starkes Stück", so Zuleger, "und keine Frauensache".