Neuheiten Bühne
GERMAGEDDON
Frei zur UA | 3-5 Darsteller:innen - Wechseldek. |
Inhalt
Sméa ist umgezogen - doch entgegen ihrer misanthropischen Sehnsüchte ist sie in der neuen Wohnung alles andere als allein. Erst ist es nur ein schwarzer Schatten über ihrem Schreibtisch, an dem sie als IT-Dienstleisterin Codes fixt. Doch schnell wächst der Schatten zum raumgreifenden Fleck, der sich von nichts und niemandem wegputzen lässt. Smeás Wohnung schimmelt, wie auch die anderen in der Freudenstrasse 11. Der "Hausverstand"-Bot der Verwaltung, dem Sméa den Schaden meldet, fragt sie nach ihren Lüftungsgewohnheiten und eröffnet ein Ticket. Und dann wartet Sméa. Und wartet. Während ihr Nachbar Jonas, der mit seiner dementen Großmutter Annegret zusammenlebt, einem Schneeball-Business verfällt. Mit dem Vertrieb des Superputzmittels Germageddon will Jonas sein notorisches Geldproblem lösen und nebenbei das Mietshaus sporenfrei machen. Vielleicht klappt es dann ja auch mit ihm und Sméa. Doch der Schimmel, der außer hartnäckigem Pilz auch allwissender Erzähler ist, hat längst weit mehr infiziert als die Bausubstanz - und sitzt viel tiefer, als Sméa, Jonas und Annegret sich vorstellen können.
Eine zersetzende Feuchtigkeit kriecht durch Deborah von Wartburgs neuen Text, der Beziehungsstück im weitreichendsten Sinne ist. Nicht nur menschliche Verbindungen, auch Erinnerungen, Werte und Zimmerwände erweisen sich hier als prekär, als systemisch bedroht in ihrer Tragfähigkeit. Virtuos verknüpft von Wartburg so ihre Gesellschaftskritik an einem entfesselten Wohnungsmarkt mit Fragen um Klasse und Einsamkeit - pendelnd zwischen Alltagsrealismus und sporeninduzierter Psychose.