Inhalt

Die Mutter stirbt, der Hof bleibt da, und auch Mo bleibt da, wo Mo war, die ganzen letzten Jahre während der Pflege der Mutter. Aus der Stadt kommen Toni und Lou, Mos Geschwister: Altes zu sortieren und über die Zukunft des Hofs zu beraten. Lou will was Modernes machen, genossenschaftlich, bio. Toni redet von Nachhaltigkeit, von Wiedervernässung, von globaler Verantwortung. Mo sagt wenig, Mo muss aufs Feld, Mo muss die Kühe melken. Doch so unterschiedlich die imaginierten Zukünfte der Geschwister auch sind: die Vergangenheit teilen sie miteinander. Gemeinsam erinnern sie sich ans Traktorfahren-Lernen und an den Apfelbaum, an den Vater, dessen Verbleib ungewiss ist, an die Großmutter und ihre täglichen Kalendereinträge, ans Sparen, ans Wurzeln, an Ackerfurchen. Und an ein Gefühl für das Land, das keine:n der drei je verlassen hat.

Miriam Lesch entwickelt in ihrem neuen Stück eine ganz eigene, eindrückliche Bildsprache: Zwischen fettfleckigen Rezeptseiten und mäandernden Tier- und Geisterstimmen entfaltet ihr Text die hypnotische Kraft einer poetischen Bauernregel. Sachthemen und Atmosphären, materielle und emotionale Zwänge sind aus ein und demselben Stoff: und so geht es, jenseits jeder Ökoromantik, sowohl um Landschaft, die sich in Körper einschreibt, als auch um Förderrichtlinien, Nahrungsmittelknappheit und genetisch verändertes Saatgut – und um die Frage, wieviel Bewegungsfreiheit der Mensch Landschaften heute zugesteht.

Autor

Miriam V. Lesch

Miriam V. Lesch, geboren 1991 in Graz, war von 2012 bis 2015 Regieassistentin am Schauspielhaus Graz und an der Schaubühne Berlin. Seit 2013 veröffentlicht sie regelmäßig Kurzprosa und Lyrik in diversen ...