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Wenn die Tanzschule Sartori zum alljährlichen Tag der offenen Tür ihre Pforten öffnet, heißt es: Bühne frei für die Bollywood Girls – vier Frauen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, die das gemeinsame Hobby verbindet. Für den diesjährigen Auftritt allerdings fehlt Debbie, Charly und Frieda die Vierte im Bunde, und Tanzlehrer John lässt kurzerhand Chiara einspringen, die vor einiger Zeit aus der Gruppe ausgeschieden ist. Das hatte allerdings Gründe – und für die alten Hasen Debbie und Charly sind die noch längst nicht vom Tisch. Während Gruppen-Nesthäkchen Frieda, Millenial mit People-Pleasing-Neurose, die Welt nicht mehr versteht, kochen die Emotionen zwischen den Bollywood Girls immer weiter hoch. Und bald schon geht es in der Garderobe der Tanzschule nicht mehr nur um persönliche Verletzungen, sondern um Lebensentwürfe, Weltbilder - und die Bruchlinien in diesen.
Mit BOLLYWOOD GIRLS ist Lutz Hübner und Sarah Nemitz ein Generationen- und Gesellschaftsporträt gelungen, das zunächst alltäglich daherkommt und, dramaturgisch punktgenau konzertiert, nach und nach immer tiefer schürft. Die Alltagsflucht, der Bollywood-Tanzkurs, ist hier keineswegs unpolitisch: Vier Frauen, die im Tanzschulen-Backroom über das Große im Kleinen streiten, verkörpern die sehr heutige Utopie einer Kleinstgemeinschaft, die im Gespräch bleibt, trotz aller Gegensätze – und die im Tätigsein ohne Leistungsprinzip Hoffnung findet für die krisenhafte Gegenwart, und für alle Zukünfte, die kommen.
Autor
Lutz Hübner wurde 1964 in Heilbronn geboren. Nach einem Studium der Germanistik, Philosophie und Soziologie in Münster begann er 1986 seine Ausbildung zum Schauspieler an der Hochschule des Saarlandes ...
Autor
Sarah Nemitz lebt und schreibt in Berlin.
Sie wurde in Düsseldorf geboren und wuchs in Köln auf. Dort studierte sie Tanz am Institut für Bühnentanz, anschließend Germanistik, ...