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Erika trauert: um ihren Mann, den die verdammten Liberalen ermordet haben. Erika trauert: aber mit Fireworks. Erika trauert: ist aber auch CEO. Und als solcher hat sie eine Mission, die zentral mit Gott und mit Wahrheit zu tun hat: Sie arbeitet am großen Umsturz - am Befreiungskampf von der woken Ideologie. Tradwife und Boss Babe zugleich zu sein, diesen Spagat schafft sie mühelos, das ist Dialektik à la Erika. Da ist es dann auch egal, dass Robin und Marian – zwei fellow Kämpferinnen mit den üblichen Sauerteig- und Journaling-Gewohnheiten – sie manchmal zu extrem finden. Doch als Erika sich holterdipolter und unsterblich in Luigi verliebt, stellt das die Loyalität der beiden auf eine wirklich harte Probe: denn Luigi sieht zwar hot aus, aber leider halt auch wie ein Migrant, und noch dazu jagt ihn die Staatsgewalt, weil er ein politisches Attentat verübt hat – ein Attentat ähnlich jenem, bei dem Erikas Mann ums Leben kam.

In einer Plastikwelt, die so hermetisch und erstarrt ist wie ein überoperiertes Gesicht, in leeren Stadien und glitzernden Christmas-Tree-Landschaften überantwortet sich Charlotte Zorells Erika Kick ihrem antifeministischen und neofaschistischen Rausch. Flankiert wird sie dabei von zwei Mitstreiterinnen, in deren strammer Gesinnung nach und nach immer mehr Risse aufscheinen - nur um sich dann, folgenlos, wieder zu schließen. . Und so ist ERIKA KICK nicht nur ein Fiebertraum voll brachialer Sprachgewalt und einer so realitätsgesättigten wie freidrehenden Komik, sondern auch feinsinnige, bittere Gesellschaftspsychologie, deren diagnostische Aussagekraft weit über die USA hinausreicht.

Ausgezeichnet mit dem nbv-Dramatikerinnenpreis 2026

Autor

Charlotte Zorell

Charlotte Zorell, 1996 in Wien geboren, als Tochter zweier Clowns (kein Witz, lässt sich googeln). In Kindheitstagen wollte sie Schriftstellerin und/oder Walforscherin werden, eines davon konkretisiert sich langsam ...